Wie ich immer wieder finde /
Scheüen Einige bey Tische /
Guthen Brodtes harthe Rinnde
Klauben lüßtern nur das Frische
Mit den Fingern flinck heraus /
Sich an weichem Teig zu laaben:
Schmähen für der Hellen Schmauß
Unßres HErren Liebesgaben;
Laßen übrig / was der Mühe
Unnd der Zähne Arbeyth braucht:
Wissen nicht / daß Späth und Frühe
Für sie Sathans Esse raucht.
Seith die zwei im Paradiße
Sich vergangen an der Frucht /
Strafet Gott unns gantz wie diße:
Sündtlich der / der Laabsal sucht
Unnd seyn Brodt nicht ißt in Thränen /
Sunndern lißtreich schohnt den Zahn:
Wie verderbt ist alls seyn Sehnen.
Ihn umfängt der Hellen Wahn:
Daß mann ohne Plaag unnd Leyd
Künnt genißen feinste Speißen;
Machet nur die Mäuler weith /
In den Schlundt wird es euch reißen
Wann euch nicht des Brodtes Ecken
Unnd des Fleisches starcke Knochen
Wollen euch von Hertzen schmecken /
Hätts der Himmel baldt gerochen
So / ihr Liebsten / beißet guth /
Krust unnd Rinde naget gern:
Grad / wann es recht wehe thut
Ißts eyn Loblied unßers HErrn.
den 21. August 1724

