Wie du / die du heünt gewandelt
Vor meym Aug alß wie die Sünde /
Mir die Sinne hättst verschandelt
Mochten gwißlich tausend Gründe
Vor deß Laßters Wonnen reden:
Alß deyn Blick / der so verlocket /
Alß deyn Haar / bethöret jeden /
Wo sich deyner nicht verstocket;
Wie deyn rother Mundt so fleischlich
Unnd die vollen Hüfften hangen /
Wie deyn Schenckel alltzu reichlich
Mag die arme Sünder fangen /
Geht so manches / was verrucht
Hin unnd will dir sich ergeben;
Ach! wie seynd die nicht verflucht:
Weg ißt all ihr seeligs Leeben /
Weg / waß unns vor allem nutzt:
Unßrer heilgen Schrifften Worth
Ißt entweiyhet und verschmuzt
Alle Gläubigkeyth geht fort.
Mich jedoch / du schnödes Weipp
Läßt deyn sündhafft üppiges Weesen
Unnd deyn übermääßig praller Leip
Nur inniger in der Bibel leßen
Daß keyn Eynsiedel kömmpt gleich
Dißer Einkehr unnd Verzicht:
Mir winckt GOttes Himmelreich /
Dir darwider wincket nicht
Daß an Freüden unnd Genüßen /
Waß der Standhafft darff gewinnen;
Du wirst in die Hellen müßen
Wegen deynem schlimmen Sinnen
Wie du / die du nichts bereühst /
Wirst den Menschen Schande bringen:
Dich an seyme Laßter freüst /
Ihn von dem hinwegzuzwingen