Was zu tun war …
Unser erster konkreter Schritt bestand begreiflicherweise darin, die Identität des Mannes aufzuspüren, der sich da mit »Blasius v. Mannstetten Eulrodiensis« unterzeichnet hatte. Als ortskundigster Experte kannte sich Pfauth in der thüringischen Geographie natürlich so perfekt aus, daß er mir gleich auf den Kopf zusagte: »Eulroda? Kenn ich nich, gibt es nich, hat es nie gegeben! – Könnte ein kryptisches Scherzwort sein, ‘ne Verhohnepiepelung von Ernstroda vielleicht? Das wäre aber … nuja, gehört längst zu Friedrichsroda … ich prüf’ das mal!« Notierte sich schnell den Einfall. Und »Zeulenroda? Ist viel weiter von Erfurt weg, wo der Buttstett georgelt hat! Ich prüf das«, wiederholte er. »Treffen wir uns nachher noch in der Post? Die ist nicht weit von Ihrer Unterkunft …« Es wurde spät an dem Tag …
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Fürs erste mußte ich die spannende Stätte nach drei Tagen wieder verlassen. Es lagen ein paar Terminsachen vor (ich betätige mich unter anderem als Glückwunsch- und Festtagsdichter à la »Lieber Ewald, Dir zur Ehre …«), die begreiflicherweise keinen Aufschub duldeten. Desto beglückter war ich, als mir Pfauth nach zwei Wochen den Mikrofilm des Buttstett’schen Handexemplars schickte, das ich trotz allem nicht aus den Augen lassen durfte; dazu hatte der Kollege – noch erfreulicher – eine Fotokopie des handschriftlichen Blattes (»dem ehrlichen Finder«) und einen dickleibigen Brief gepackt, aus dem hervorging, daß es ihm mit seinem »ich prüf das mal!« sehr ernst gewesen war. Er hatte inzwischen nicht nur die Identität des rätselhaften »Dichters«, sondern auch den »Wirkungskreis« des Mannes verifiziert, der offenbar nicht weit von Suhl und Zella-Mehlis, genauer gesagt bei der Gemeinde V*, jahrzehntelang ein »Manstättisch Besitzthum« bewirtschaftet hatte: Dank seiner nächstliegenden »Ostkontakte« war Pfauth schon binnen weniger Tage an den Richtigen geraten – einen gewissen Giesbert Kleie, der sich seit vielen Jahren (aus politischen Gründen insgeheim) um die Erforschung der lokalen Kirchengeschichte bemüht und große Teile des örtlichen Archivs, ja, man muß schon sagen: gerettet hatte. Darunter erhebliche Konvolute der alten Kirchenbücher und mehrere verpichte Kisten mit Sachen, auf die er sich wiederum keinen Reim machen wollte, weil es für ihn um andere Themen ging: »Stellen Sie sich vor,« schrieb mir Pfauth, »wie ich den ersten Kasten aufmache, liegt da oben drauf ein Autograph, das dem Zettel von neulich wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Dasselbe Wasserzeichen, dieselben unbeholfenen Schnörkel, auf den ersten Blick sogar dieselbe Tinte … Am besten, Sie kommen so schnell wie möglich wieder rüber. Sie können sich auf was gefaßt machen!«

