Barbara Wülcken, die Tochter eines begüterten, heute kaum mehr bekannten Arztes und Enzyklopäden aus Suhl. Sie folgte um 1700 der vorigen Verlobten, brach die Beziehung aber aus eigenen Antrieb ab, nachdem ihr der »Stoffel« ein literarisches Stück hatte zustellen müssen, an dem jeder Hauch von Zuneigung zerplatzte.
Einen biographischen und dichterischen Glücksfall bietet die »Affaire« Wülcken insofern, als wir nicht allein den autographen Eintrag des Dichters nebst der reinlichen Abschrift des Widmungsgedichtes, sondern auch die Reaktion auf die Antwort besitzen, die Stoffel seinem Halbbruder und Herrn ohne Verweilen zu überbringen hatte.
Heunt / als den 5. Majus 1701 / wie des Morgens von ohngefähr auß meym drobigen Fenster den blick hinschweiffen laße zur auffgehenden Sonnen / wonach zur selbigen Stundt noch das Loblied gemachet / daß diesem kräfftigen Bildnis von glühender Lieb und Leiden sich fügete; wie allso schaue und sinne / erblicke doch voll eckler Rührung 2. caninichen fleischeslüstern mitnander ohn alle schaam und Bedencknis auff dem grünen Grase sich ergetzen.
Durchfuhr mich gleichen Augenblicks ein gräußlich Schaudern und erschröcklichs Hellenfeuer wie erkandte / daß auch uns solch fürchterliche Brunfft könnt befallen vom Sathan gezeuget / uns zu machen allswie das Vieh / und uns dermaßen des himmlischen Wohlseyns möcht berauben / statt dessen einen Platz in der tieffsten Hellen wohl sicher seye.
Wie etwan nach einer Viertelstunde mein Aug abkehrete / meym Eckel diß nicht weiters anzuthun / preißete den HErrn / daß derley frevlichtes Thun mir völlig frembd / meyn ernsthafft Lieben aber so reine und fromm / daß allsogleich mit Dinte und Feder mich herbeymachte / der die da auserwählet / ein recht artig und lieblich Verslein auffzusetzen / was nachdems mir fein säuberlich copiret / vom reittenden Stoffel seyner weltlichen Bestimmung zugeführet ward.
Meiner suhlischen Muse
Wie dann den Stoffel / wo heißen Hertzens kaum thät erwarthen / mitsammpt seinm Roße den Hof bereithen sahe / befragete ihn allsobald / wieß der Auserwähleten wol ergangen / wann meyner zarthen Poesey wär angesichtig worden. Wodruff ers mir wie unvermuthete Schröckniß eingab: er könne ihr auf Ewige Zeyten gestolen bleyben, maßen derartich frommes Geplärr und gejamer troz gründlicher Unterweißung in den Hl. Schriften ihr nicht gelegen komme.
Wodruff beschloß, niemalen sollich wertlichs Fraunzimmer um mich zu dulden und nie wieder den verruchten Nahmen im Munde zu führen mir standtfeste vornahmb. Sang nachhero ein Unser Vatter unnd wendete mich meiner Etymologia zu, wodrinnen mehr Trost gefunden denn im Dencken an den furchtbarn Frevel der Weibbspersohn unnd ihrm gantzen sündichten Getuh.

